HOFgesang (PDF)

vielfältig – bewegend – denkwürdig –
bewusstseins e  r  w  e  i  t  e  r  n  d

Eine Initiative zur Rückeroberung der Höfe für die AnwohnerInnen - mit Chorgesang

Im Mai 2006 widerhallten gegen Hundert Innen- und Aussen-, Vorder-, Zwischen- und Hinterhöfe der Stadt Zürich von vielfältigem Chorgesang. Die Sechzig Chöre und Schulklassen liessen damit auch die Frage an nach der Bedeutung anklingen, die wir diesen wertvollen Aussenbereichen geben wollen, eine Frage in Form unmittelbaren sinnlichen Erlebens.
Seither haben über Viertausend Hofsänger/innen in Zürich, Bern und auch dem Niederbayrischen Landshut jeweils im Mai für menschenfreundliche Höfe gesungen, für Lebensräume in denen gute Nachbarschaft entstehen und gedeihen kann. Damit engagiert sich das Chorschaffen aller Sparten, Kulturen und Generationen auf noch nie dagewesene Weise für ein gemeinsames gesellschaftliches Anliegen.
Die Chöre bezaubern das Publikum und verzaubern die Höfe, darüber hinaus können sie selber als Modelle für gelebte Nachbarschaft stehen.

Wie kam es zu dieser Initiative?

Die Rückseite der Stadt ist weitgehend unbekannt, obwohl Innen- und Hinterhöfe rund ein Viertel des Stadtraums einnehmen, spricht kaum jemand davon. Noch vor wenigen Jahrzehnten beherbergten sie Kleingewerbe, es wurde Wäsche zum trocknen aufgehängt, Teppiche wurden geklopft, Gemüse wurde angebaut: Es waren Arbeits- und und damit auch Begegnungsorte. Die Kinder machten sich als Zaungäste oder Hilfskräfte mit der Arbeitswelt vertraut und fanden ihre Nischen zum Spielen. Seither wurden die meisten Höfe nach und nach in Parkplätze umfunktioniert, oder aber duch Abschottungsmassnahmen einer gemeinsamen Nutzung entzogen.

Damit ist heute ein grosser Teil der Stadtbevölkerung nicht nur eines wesentlichen Elements ihrer Wohnqualität beraubt, der zunehmend multikulturell zusammengesetzten Anwohnerschaft wurde buchstäblich der Boden entzogen auf dem gute Nachbarschaft entstehen könnte. Dieses Manko gefährdet die friedliche Koexistenz. Denn Nachbarn, die von einander unfreiwillig die bevorzugten TV-Programme kennen und die Toilettenspülung hören, die sich aber nie begegnen und kennen lernen, werden weniger Verständnis für einander aufbringen, Konflikte sind dann nicht weit.
Umso erstaunlicher ist es, dass Qualität und Funktionswandel dieser halböffentlichen Aussenräume für Politik und Fachwelt in der Schweiz bisher kaum ein Thema waren. In dieser Situation empfiehlt HOF gesang eine Wurzelbehandlung: Die Rückführung zweckentfremdeter Höfe in Lebensräume.

Und wie soll dies geschehen?

Die Chöre wollen der gesellschaftlichen Vereinzelung und Desintegration etwas entgegenhalten. Mit Hofgesängen werden sie die Marktgesetze kaum aus den Angeln heben, Parkplätze werden profitabler bleiben als Blumenbeete, Gartenbänke und Sandhaufen. Trotzdem möchten die Sänger/innen die herrschende Parkordnung in Frage stellen. Anwohner/innen, Eigentümer/innen und Liegenschaftenverwaltungen werden ermuntert, gemeinsam Wege zu suchen, wie aus tristen Abstellflächen Wohnhöfe, Spielhöfe, Ruhehöfe, Traumhöfe, Naturhöfe werden, oder zumindest ein paar Schritte darauf zu gemacht werden könnten. Allein schon der bewusste Umgang mit der gemeinsamen Nutzung kann sich positiv auswirken auf nachbarschaftliche Beziehungen, auf die Identität als Teilhaber an einem gemeinsamen Gut. Der Hofgesangsverein und die Stadtverwaltung bieten allen Betroffenen beratende Unterstützung an.
HOF gesang möchte damit einen Beitrag zur Quartierentwicklung leisten, als Vermittler zwischen den Kulturen, als Kulturvermittler.

Um Bewegung auszulösen, wählen die Hofsänger/innen einen nahe liegenden Ansatz: Sie setzen sie sich selber in Bewegung: So wird Chorgesang der breiten Bevölkerung, insbesondere auch der nicht konzertgewohnten, buchstäblich nahe gebracht – unter ihre Balkone und Küchenfenster. Gerade Kinder und Jugendliche, die in nicht optimalen Wohnverhältnissen leben, sollen wirklich live erleben können, dass es für sie eine Gesangskultur diesseits des Bildschirms gibt, und dass Singen befreit und Singen vereint.

Den Chören bietet HOFgesang neue, lichte Räume und die Wahl gegen Amseln, Spatzen, oder Parkverkehr anzusingen, sowie die Gelegenheit, sich der Quartier- und der Stadtbevölkerung vorzustellen und die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zu ziehen. In den Höfen ergibt sich leicht ein spontaner persönlicher Kontakt zwischen Publikum und Sänger/innen und den Chören damit die Chance, auf Nachwuchs zu treffen.

Wer aber ist HOF gesang?

Eine private Initiative, getragen vom Hofgesangsverein, dem Kulturschaffende und anderweitig gesellschaftlich engagierten Personen angehören, die auf die bewusstseinserweiternde Kraft der Musik bauen und die Menschen mit Chorgesang auf die soziale Bedeutung der Höfe aufmerksam machen wollen. Sie ist gesellschaftlich breit abgestützt und steht unter dem Patronat von Persönlichkeiten des Kulturschaffens, des Bildungbereichs und der Stadtentwicklung.
In erster Linie aber lebt die Bewegung durch die Hofsänger/innen.

Und wie geht es weiter?

Am 5. Mai 2010 wird in Zürich der HOFgesang zum dritten Mal anheben und einen Monat lang für den guten Ton der Stadt sorgen. Wir hoffen, dass der Hofgesangsvirus gegen den bisher kein wirksamer Impfstoff auf dem Markt ist, sich pandemisch ausbreite, auf dass die Höfe weiterer Städte erklingen - und auch erhört werden!

9. Januar 2010
Andreas Diethelm


HOFgesang
Badenerstr. 18
8004 Zürich


Tel +41 43 317 1968

www.hofgesang.ch
der Wegweiser zum mobilen Chorgesang –
das Fenster auf freundliche und freudlose Höfe